Mannheimer Morgen, 19.10.2015

Meditative Innigkeit zum gelungenen Abschluss

Moving Sounds auf den Internationalen Musiktagen im Speyerer Dom

Mit dem jubelnden „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy haben sie begonnen. Und mit meditativer Innigkeit sind die zu Ende gegangen. Das war kein brausendes Finale, aber ein eindringliches Bekenntnis, das der knapp 50-köpfige Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori mit großer Hingabe ablegte. Ein bemerkenswertes Finale, dem durchaus spektakuläre kirchenmusikalische Veranstaltungen – etwa eine Nacht der Orgelimprovisation – vorausgegangen waren.

Sakrale Atmosphäre

Doch am Ende der zwei Wochen wurde der Akzent auf die spirituell-kontemplativen Ausdrucksformen gesetzt. Hierfür sorgte auch das bezwingende Spiel des Instrumentalduos „Moving Sounds“, das den hohen Raum mit transzendierenden Klängen flutete. Markus Stockhausen, Sohn des revolutionären Komponisten, und Tara Bouman nahmen die sakrale Atmosphäre auf.

Während sie langsam durch die Seitenschiffe zum Choraltar schritten, hüllten sie die Besucher mit improvisiert wirkenden Tonkaskaden von Flügelhorn und Klarinette ein. Klänge, die aus der Tiefe geschöpft und in die Höhe geschleudert, faszinierende Halleffekte, die durch unterschiedlich laut angeblasene Töne erzielt wurden – im kühlen Dom mit seiner rosa-violett ausgeleuchteten Apsis wirkten diese Schwingungen wie transformierte Botschaften von weither. Zuweilen schien die Trompete von Stockhausen geometrisch unregelmäßige Formen in die Luft schneiden zu können. Töne, die sich suchend Bahn verschafften, um sich dann über einem Passacaglia-Motiv der Bassklarinette zu verströmen.

Der Domchor ließ sich mit meditativen Gesängen von der Gregorianik bis zur Neuzeit vernehmen. Gegen die gellende Quart eines draußen vorbei eilenden Rettungsfahrzeugs vereinten sich die im Raum verteilten Sänger und das Instrumentalduo in einem gemeinsamen Schlussakkord, der irdische Angelegenheiten winzig erscheinen ließ – hätte einen das harte Beifallsklatschen nicht doch wieder rasch in die graue Realität gerufen.